Endstrafe
Endstrafe – Ausdruck dafür, die gesamte Haftstrafe abzusitzen und sich auf keine Deals mit „dem System“ einzulassen –, ist unser drittes Album, entstanden im Herbst 2024 mit 8 Jugendlichen/jungen Erwachsenen in Hameln.
In diesem Titel steckt aber mehr als der Wunsch nach einem unnahbaren und harten Auftreten und Erscheinungsbild. Es zeichnet vielmehr eine vielschichtige Suche nach Autonomie und Identität inmitten der persönlichen Auseinandersetzung mit der Schuldfrage.
Die Haftzeit spiegelt den Jugendlichen dabei beständig das eigene Scheitern wider, wobei es sehr herausfordernd ist, in der Retrospektive ein Urteil über den eigenen Lebensweg zu fällen. Die Tat ist dabei meist nicht nur ein isolierbarer Moment, diese ist auf komplexe Weise mit der Biografie verwoben. Eine Biografie, welche sich oftmals im Spannungsfeld zwischen Ohnmachtserfahrungen und Selbstermächtigung bewegte und es den Jugendlich umso schwerer macht, sich von der Tat zu distanzieren, ohne zugleich auch die herausfordende Entwicklung der eigenen Identität abzuwerten oder gar auszulöschen.
Das Absitzen der Endstrafe ist darum eine widersprüchliche Metapher:
Es drückt zwar eine Distanz zum „System“ aus, vor allem bringt es aber die Überforderung zum Ausdruck, mit der eigenen Identität und Geschichte in dieser Gesellschaft Platz zu finden. Die selbstgewählte Unabhängigkeit, mag sie auch mit einer längeren Haftzeit einhergehen, kann dann als Möglichkeit angesehen werden, die Kontrolle über das eigene Leben zu behalten. Das Album Endstrafe fragt danach, was eigentlich Schuld ist, welche Rolle persönliche Verantwortung spielt, aber auch was diese mit gesellschaftlichen Ungleichheiten und Ausschlüssen zu tun hat.
















